(P)FUNDstück: QualityLand

Von Marc-Uwe Kling

Gefunden von Christiane Wetzke im Juli 2025

Eine Satire zum Thema KI, sehr unterhaltsam geschrieben, in einem fiktiven Land, das nur ganz zufällig Ähnlichkeit mit einem existierenden Staat hat.

In QualityLand hat man das ganze Leben mit digitaler Unterstützung geregelt: Die KI weiß, was wir benötigen, auch ohne, dass man eine Bestellung aktiv abgibt. Und automatisch kommt eine Drohne geflogen, die alles bringt. Die KI kennt auch den richtigen Partner, und der persönliche Assistent, ein In-Ear-Kopfhörer („Ohrwurm“), kann den Kontakt zu dieser Person (bzw. zum anderen „Ohrwurm“) schnell herstellen oder auch den aktuellen Social-Scoring-Level mitteilen. Über Touch-Pads werden alle Zahlungsvorgänge freigegeben. Selbstfahrende Autos, mit denen man direkt kommunizieren kann, bringen einen zum Zielort (es sei denn, man wohnt in der falschen Wohngegend, die eine schlechte Wertung hat). Eine wichtige Rolle spielen auch Roboter, die vom Haustier, Kindermädchen, Kartenverkäufer im Kino bis zum Präsidentschaftskandidaten alle möglichen Funktionen ausfüllen. Und wie in jedem System gibt es auch dort „Gewinner“, die wissen, wie man davon profitiert, und „Verlierer“, die hier „Nutzlose*r“ (Level 1-9) genannt werden.

Einer dieser „Verlierer“ ist Peter, der als Maschinenverschrotter sein Geld verdient. Nach der Trennung von seiner Freundin (Quality-Partner will ihm schnell eine neue, die besser zu seinem Profil passt, vorschlagen) bekommt er eines Tages etwas zugeschickt, was er definitiv nicht wollte und versucht es zurückzugeben. Das Beschwerdemanagement ist natürlich auch eine KI, die nichts zurücknehmen darf. Peter lehnt sich dagegen auf und bekommt nach und nach mediale Aufmerksamkeit, die die KI und die Eigentümer der vorherrschenden Firmen ganz schön unter Druck setzt.

Was die Geschichte so gut macht, sind die kleinen Details: die Beschreibung der Persönlichkeiten der KI-Geräte und deren Persönlichkeitsstörungen (z.B. Drohne mit Flugangst, KI-Poetin mit Schreibblockade), die Namen der Personen (der Nachname ergibt sich aus dem ausgeübten Beruf des Vaters bzw. der Mutter zum Zeitpunkt der Empfängnis) wie „Peter Arbeitsloser“, „Martin Vorstand“ oder „Aisha Ärztin“. Je nach Version des Romans (hell und dunkel) gibt es auch noch eingespielte „Werbung“. Ein einerseits wirklichkeitsnahes, manchmal absurdes, streckenweise dystopisches Szenario, was durch die richtige Portion Humor leichter verdaulich und dennoch kritisch beleuchtet wird. Ich kann die Hörbuch-Version, die der Autor zugleich lakonisch und hintersinnig selbst spricht, sehr empfehlen.

Erstaunlich finde ich, dass diese Geschichte bereits 2017 geschrieben wurde und wir heute darüber nachdenken, wo KI überall eingesetzt werden kann und wo die Grenzen sind. Mittlerweile gibt es Wissenschaftler, die feststellen, dass KI quasi lügt und betrügt, um vorgegebene Ziele zu erreichen. Oder wie kürzlich festgestellt wurde, schummelte eine KI bei einem Schachspiel gegen einen Schachcomputer aus den 70ern. Es ist also ein Trugschluss, wenn man meint, diese Programme seien unbestechlich oder neutral.  Wieviel Verantwortung wollen wir dorthin abgeben?

Noch kurz zum Autor Marc-Uwe Kling: Er ist der Verfasser der Känguru-Chroniken, schreibt Kinderbücher (z.B. Das NEINhorn) und Jugendbücher (Der Spurenfinder).

Zum Thema KI gibt es von ihm auch einen Kriminalroman für ältere Jugendliche und Erwachsene: VIEWS. Hier generiert eine KI ein Video, dass von allen als „echt“ angesehen wird und zu Ermittlungen hinsichtlich Gruppenvergewaltigung und Mord führt – ein kritischer und spannender Thriller zu Fake News und den Gefahren der Manipulation der Bevölkerung.

Sehr interessant: ein Interview mit Marc-Uwe Kling

 

Marc-Uwe Kling: QualityLand (2017), QualityLand 2.0 (2020)

Buch: Ullstein-Taschenbuch-Verlag, Berlin
Leseprobe

CD: Hörbuch-Hamburg-Verlag, Hamburg
Hörproben:  QualityLandQualityLand 2.0