Gefunden von Svenja Blaczek im Februar 2025
„Demokratie muss man nicht nur wollen, man muss sie auch können.“ (S.9)
Seit einigen Monaten begleiten mich aufgrund der gegenwärtigen politischen Lage Aussagen von Marina Weisband wie die obige aus „Die neue Schule der Demokratie. Wilder denken, wirksam handeln“, genauer gesagt auch das Podiumsgespräch, welches sie mit Jens Dirksen, WAZ-Kulturchef auf der lit.RUHR 2024, dem Internationalen Literaturfestival auf Zollverein, geführt hat und das ich vor Ort erleben konnte.
Marina Weisband, Diplompsychologin und didacta-Bildungsbotschafterin, setzt sich seit einigen Jahren dafür ein, Schüler:innen aktiver an gelebter Demokratie teilhaben und dadurch mehr Selbständigkeit, Selbstwirksamkeit und politische Handlungsfähigkeit entwickeln zu lassen. Sie reagiert auf Klagen aus Ausbildungsbetrieben und das sinkende gesellschaftliche Engagement, indem sie fordert, dass Demokratiebildung nicht in ein eigenes Fach ausgelagert wird, sondern als Querschnittsaufgabe in alle Schulfächer integriert wird, wie es die Lehrpläne im Übrigen auch vorsehen. Faktisch sieht es aber mit der Mitbestimmung in Schulen nach wie vor nicht gut aus.
Ihr Projekt „aula“ unterstützt Schüler:innen, ihre Schule aktiv mitzugestalten und ihre eigenen Ideen in praktischen Projekten umzusetzen, darin, wie sie es schaffen können, z.B. einen Gebetsraum für alle Schüler:innen einzurichten. Klingt simpel – die Projekte müssen aber ausgehandelt, aus Ideen Einzelner müssen gemeinsam getroffene Kompromisse mit nachhaltigen Umsetzungen werden.
Durch die Verankerung partizipativer Strukturen und eine digitale Plattform lernen die Schüler:innen im geschützten Raum Schule, sich eine fundierte Überzeugung zu erarbeiten, Vorschläge oder Regeln zu entwickeln und zu verhandeln, gemeinsam getragene Lösungen zu finden und Verantwortung zu übernehmen, was sie zu mündigen Bürger:innen und politisch engagierten Erwachsenen werden lässt. Das Projekt „aula“ will dazu beitragen, Frust und pure Anpassung zu vermeiden und eine von Weisband so bezeichnete ‚erlernte Hilflosigkeit‘ zu überwinden. Das Projekt soll eine demokratische (Schul-)kultur fördern, die im Übrigen auch mit religiöser Bildung im Einklang steht.
Denn religiöse Bildung ist demokratieförderlich, indem sie im schulischen Religionsunterricht Raum für existenzielle Fragen mit Bezug zur Lebenswirklichkeit bietet und Handlungsmöglichkeiten aufzeigt, die wesentlich für die mündige Identitätsbildung sind. Schulseelsorgerliche Projekte sind zudem ein wertvoller Beitrag zu gelebter Schulkultur, eröffnen Beteiligungsmöglichkeiten und stiften Gemeinschaft, Solidarität und Kollegialität – Haltungen und Werte, die eine lebendige Demokratie ausmachen.
Marina Weisband: Die neue Schule der Demokratie. Wilder denken, wirksam handeln.
Frankfurt am Main: S. Fischer Verlag, 2024

