(P)FUNDstück: Und dann kam der Fuchs

Von Heinz Janisch und Kai Würbs

Gefunden von Svenja Blaczek im März 2024

 

Ein Fuchs besucht einen Bauernhof.
Alle Hoftiere erschrecken sich.
Der Bauer lässt den Fuchs in sein Haus.

Anregend ist diese Bilderbuchgeschichte. Deswegen habe ich sie direkt zwei Mal gelesen, weil Bilder und Sprache so berührend gesetzt sind. Mit dem Fuchs laufe ich quasi über die großformatigen Doppelseiten mit und fühle mich sofort in seine Friedfertigkeit ein – auch wenn die lebhaften Reaktionen aller Hoftiere verständlich sind. Sehr ausdrucksstark gemalt und beschrieben! Den Fuchs suche ich vergebens in den Bildern der aufgescheuchten Tiere. Schlau finde ich dies – allzu oft hat die Angst kein Bild. Es braucht die Personifikation und Beschreibung, um erkannt und bewältigt zu werden – und ein Kennenlernen.

Im weiteren Verlauf kommt es zu einer überraschenden Wendung: Der Bauer nimmt den Fuchs auf seinen Schoß „für eine Stunde oder zwei, für eine Umarmung und ein Gespräch“. Im Rückblick frage ich mich, wie es dem Fuchs geht angesichts aller Abwehrhaltung und ob die Ängste der Hoftiere vor dem Fuchs dieser Geschichte berechtigt sind.

Unverhofft wohltuend empfinde ich dieses Bilderbuch. Der Text hallt melodisch in mir nach: weniger der sich stetig wiederholende Satzanfang „und dann“, mehr die poetisch gesetzten Worte wie „im Licht hell schimmern“ oder „warme, wärmende Mahlzeit“. Es überkommt mich, über die detailgetreuen Abbildungen von Fuchsschwanz, Kuhnüstern, Gänsegefieder und die wurstigen Bauernhände mit meinen Fingern zu streichen. Und obwohl ich das deftige Bauernfrühstück gar nicht mag, bekomme ich Appetit.

Und ich freue mich an dieser Gastfreundschaft und gelebten Nachbarschaft, die mich stark an die Bilderbücher „Steinsuppe“, „Es klopft bei Wanja in der Nacht“ und „Findefuchs“ erinnern. Das Bilderbuch macht Mut, hinzuschauen und auch allseits Bekannt-Gefährlichem einen zweiten Blick zu gewähren. Es ist in Ordnung, Angst zu haben aufgrund aller bereits gemachten Erfahrungen mit so manchem Fuchs. Manchmal ist sie, die Angst, aber einfach nicht berechtigt und möchte umarmt und liebkost werden und wiederkommen dürfen.