Johannes, eine Taufmaschine

Installation zum Jahr der Taufe im Haus der Begegnung

Im Haus der Begegnung, dem gemeinsamen Sitz vom Theologisch-Pädagogischem Institut (pti) und Evangelischer Akademie im Rheinland, lockt jetzt der blaue Neonschriftzug „capella“ die Besucherinnen und Besucher auf die Empore im Foyer.

Der Schriftzug
Der Schriftzug „Capella“ macht aufmerksam auf die aktuelle Wechselausstellung im Haus der Begegnung.

Johannes, eine Taufmaschine

Dort können Sie Bekanntschaft machen mit Johannes, 190 cm groß, 50 cm breit, 50 cm tief. Sie ahnen es: Johannes ist keine Person, sondern ein Maschine. Schon mit ihrem Namen, hergeleitet von Johannes dem Täufer, macht sie ihr Anliegen deutlich. Johannes ist eine Taufmaschine, eine künstlerische Provokation.

 

Ihr Aufbau
Ihr Aufbau: vier hohe Stangen aus Stahl, Motoren, Getriebe, die anscheinend einen auf einer Achse gelagerten, abgeformten Finger aus Silicon in Bewegung setzen können. Eine kleine Metallschüssel mit Jordanwasser steht auf einer rechteckigen Plattform in Augenhöhe und die ganze Installation auf einem Holzpodest mit rotem Teppich. Wenn der Betrachter der Maschine gegenüber steht, sieht er rechts an der Wand eine rote Glühbirne. Jedes Mal, wenn die Glühbirne leuchtet, ist Taufzeit –mehrmals am Tag, so gibt es die Zeitschaltuhr vor.

 

Johannes, eine Taufmaschine LupeJohannes, eine Taufmaschine

Ihr Mechanismus

Der- oder diejenige, der dann bereit ist einen Euro in den kleinen Münzapparat rechts neben Johannes zu werfen, kann erleben, was passiert: „Bei Einwurf eines Euros taucht sich der Finger in das mit Wasser gefüllte Becken, hebt sich wieder, drückt sich gegen die graue Gummirolle und beträufelt die Person“, so beschreibt der Kölner Künstler Ivo Weber den Wirkmechanismus seiner Installation „Johannes, eine Taufmaschine“.

 

Dieser Wirkmechanismus ist von einem Besucher der Ausstellung jetzt auch auf Video festgehalten worden. Dieser Link führt zum Video.
Unsere Chance
durch Kunst über die Bedeutung der Taufe ins Gespräch zu kommen

Kai Steffen, Landespfarrer und Dozent am pti, hat Johannes ins Haus der Begegnung geholt. Die beiden Direktoren der Einrichtungen, Dr. Gotthard Fermor vom pti und Dr. Frank Vogelsang von der Akademie, sehen darin ebenso wie Steffen ein spannendes Projekt, denn mit dieser Installation eröffnet sich für die Tagungsbesucher im Haus eine neue, ganz andere Möglichkeit durch Kunst über die Taufe und ihre Bedeutung ins Gespräch zu kommen.

 

Warum gerade jetzt?

2011 wird im Rahmen der Lutherdekade von der Evangelischen Kirche in Deutschland und vielen Landeskirchen als das Jahr der Taufe begangen. Die Lutherdekade mündet in das Jubiläumsjahr 2017, in dem sich Martin Luthers Thesenanschlag zum 500. Mal jährt. In der 10jährigen Vorbereitungszeit auf dieses Jubiläum soll an Schwerpunktthemen deutlich werden, wie weit reichend die Veränderungen waren, die durch die Reformation für unseren Glauben und unser Leben ausgelöst wurden.

 

2011 – das Jahr der Taufe und der Freiheit

2011 ist innerhalb dieser Dekade das Jahr der Taufe und der Freiheit. Beide Dinge sind miteinander verbunden, das einmalige, unwiederholbare Sakrament der Taufe ist Grunddatum christlicher Freiheit schlechthin.

 

Im „Kleinen Katechismus“ schreibt Luther 1529 über die Taufe:

 

„Was ist die Taufe?

Die Taufe ist nicht allein schlicht Wasser, sondern sie ist das Wasser in Gottes Gebot gefasst und mit Gottes Wort verbunden. (..)

Was gibt oder nützt die Taufe?

Sie wirkt Vergebung der Sünden, erlöset vom Tode und Teufel und gibt die ewige Seligkeit allen, die es glauben, wie die Worte und Verheißung Gottes lauten.“ 

 

Und nun also kann der Besucher, die Besucherin bis Ende Mai 2011 hier im Haus der Begegnung Bekanntschaft machen mit Johannes, der Taufmaschine.

Johannes, eine Taufmaschine - Detailausschnitt LupeJohannes, eine Taufmaschine – Detailausschnitt

Kann eine Maschine taufen?
„Kann eine Maschine taufen? Was wäre, wenn man tatsächlich für die Taufe Geld bezahlen müsste?“, dies sind vielleicht erste Fragen, die sich bei der Begegnung mit der Installation stellen. Genau diese Fragen will die künstlerische Provokation auslösen.

 

Fragen – zur Taufe allgemein, zum theologischen Verständnis der Taufe, zum eigenen Verhältnis zur Taufe –  das strebt Kai Steffen mit diesem Kunstobjekt an. „Johannes, eine Taufmaschine, soll dazu einladen, sich mit seinem persönlichen Verhältnis zur Taufe auseinanderzusetzen“, sagt der Dozent für Konfirmandenarbeit

 

12 Fragen zum Kunstprojekt „Johannes, eine Taufmaschine“

Steffen hat dazu 12 Fragen formuliert, die für die Besucherinnen und Besucher ausliegen und die auch am Schluss dieses Artikels zum Abruf bereit gestellt sind. Sie beginnen mit der schon erwähnten Verunsicherung angesichts dieser „Maschine“

 

–         Kann mir hier was passieren?

–         Kann eine Maschine taufen?

 

leiten über zu Fragen an das eigene Taufverständnis:

 

–         Kann ich meine Taufe so einfach wiederholen – darf ich das?

–         Genügt das Wasser ohne das Wort?

–         Kostet die Taufe etwas? Wie wertvoll ist meine Taufe?

 

und gehen bis zu Fragen an das eigene Glaubens- und Selbstverständnis:

 

–         Was würde mir ohne meine Taufe fehlen?

–         Wer bin ich?

Hat die Taufmaschine entworfen: der Künstler Ivo Weber LupeHat die Taufmaschine entworfen: der Künstler Ivo Weber

Der Künstler Ivo Weber
“das Ritual ist für die Religion seit jeher eine elementare Ausdrucksform“

Viel selbstverständlicher als mancher der Besucherinnen und Besucher es tun wird, geht Ivo Weber mit seiner Taufmaschine um.

Der 48jährige Künstler, der für seine Installationen ganz unterschiedliche Materialien verwendet, ist in einer tiefgläubigen katholischen Familie im Schwäbischen aufgewachsen. „Meine Mutter hat uns Kinder immer mit einem Spritzer Wasser aus dem Weihwasserkessel verabschiedet, wenn wir aus dem Haus gegangen sind“, berichtet er. Dadurch habe er sich immer beschützt gefühlt. Genau dies habe er in der Taufmaschine aufgegriffen. Er habe sogar seine Mutter gefragt, welchen Finger sie in den Weihwasserkessel getaucht habe. Erstaunlicherweise sei es der Mittelfinger gewesen – und so habe er es dann auch bei seiner Installation umgesetzt.

Sinn der Aktion sei es, so erklärt Weber, sich mit dem Glauben und der Taufe zu beschäftigten. „Der Betrachter solle sich bewusst werden, wo er mit seinem Glauben steht.“, benennt er es ähnlich wie Kai Steffen. Zugleich solle sich der Betrachter mit der Rolle des Rituals in der Religion auseinandersetzen: „Das Ritual ist für die Religion seit jeher eine elementare Ausdrucksform. Mit der Taufmaschine wird dieses Ritual der Automatisierung übergeben (…)“,  ist in den Erläuterungen zu seiner Installation zu lesen.

Bisherige Stationen und Reaktionen auf „Johannes, eine Taufmaschine“
Mit der Installation „Johannes, eine Taufmaschine“ war Weber, der Technik und Philosophie studiert hat, u. a. zu Gast bei der Aktion „die andere Seite – Kunst in der Stadt“ beim Kirchentag in Köln 2007. Die Reaktionen auf „Johannes“ bei den bisherigen Ausstellungen seien sehr unterschiedlich gewesen, berichtet er: Einige hätten gesagt, es sei Blasphemie, andere hätten sein Kunstwerk begrüßt. Das Extremste seien „tägliche tätliche Angriffe“ gewesen, als er die Taufmaschine in Polen gezeigt habe, erzählt Weber in einem Podcast, den man hier nachhören kann.

Doch am besten, Sie verschaffen sich selbst einen Eindruck, wie Johannes auf Sie wirkt, welche Fragen er in Ihnen auslöst. Wir laden Sie ein zu einem Besuch im Haus der Begegnung, zu einer Begegnung mit Johannes, einer Taufmaschine.

Praktische Hinweise

 

Zur Ausstellung

 

Johannes, eine Taufmaschine
eine Installation von Ivo Weber
Wechselausstellung im Haus der Begegnung
Raum auf der Empore im Foyer, 2. OG
Februar 2011 bis Mitte Mai 2011

Öffnungszeiten
Mo – Do 9.00 – 16.30 Uhr
Fr 9.00 – 13.00 Uhr
Weitere Termine, auch am Wochenende, nach Absprache

Der Eintritt ist frei.

 

Die 12 Fragen zur Installation sind am Schluss dieses Artikels zum Abruf bereit gestellt. Sie liegen darüber hinaus im Haus der Begegnung aus.

 

Zur Ausstellung ist in der Reihe „KUNST im Haus der BEGEGNUNG“ eine Kunstpostkarte mit einer Abbildung von Johannes, einer Taufmaschine, erschienen.
Diese Postkarte ist beim Empfang im Haus der Begegnung kostenlos erhältlich.

 

Über den Künstler:

Auskunft zu Werk, Vita und den zahlreichen Ausstellungen von Ivo Weber gibt seine Homepage.

 

Über das Jahr der Taufe und der Freiheit

Informationen zum Jahr der Taufe und der Freiheit

 

 

Anlässlich des Jahres zur Taufe und Freiheit und Freiheit hat die EKD ein Themenheft herausgegeben.

Es ist kostenlos bei der EKD per Mail zu beziehen.