Demokratiefähigkeit bilden durch Schulseelsorge

Aus dem Bildungsbereich

Die Fachstelle Schulseelsorge und der Bildungsbereich Sekundarstufe I/II des PTI sind Teil des Projekts „Demokratiefähigkeit bilden (DfB)“, ein „interdisziplinärer Forschungs- und Umsetzungsverbund für die Förderung der Bildung von persönlicher und systemischer Demokratiekompetenz in der digitalisierten transkulturellen Gesellschaft“.

Das Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW (MKW) und die Landeszentrale für politische Bildung fördern das Projekt mit insgesamt 1,6 Mio. €.

Verrück-Bar, Schulseelsorge-Projekt von Sandra Lemmen, Lehrerin und Schulseelsorgerin

In der ersten Projektphase erarbeiteten Marion Keuchen und Sabine Lindemeyer Bedingungen und Gelingensfaktoren für eine seelsorgliche und demokratiefördernde Schulkultur. Hierfür konzipierten wir das Modul Schulseelsorge in der universitären Ausbildung von Religionslehrkräften. Zudem erhoben wir mittels speziell entwickelten Fragebögen Daten und fertigten Videographien in Schulseelsorge-Aus- und Fortbildungen an, die wir in der zweiten Projektphase auswerteten. Wir erforschten anhand dieses Materials, welche Kompetenzen Religionslehrkräfte benötigen, um als Schulseelsorger*innen tätig zu werden und wie diese Kompetenzen bestmöglich geschult werden können. Die dritte Projektphase diente der konkreten Umsetzung der Ergebnisse in der Qualifizierung Schulseelsorge. Vielfältige Praxisprojekte von Schulseelsorger*innen zeigen, wie Schulseelsorge zur Bildung von Demokratiebildung beitragen kann. Mit einem in der dritten Projektphase entstandenen Imagefilm, wird zukünftig gezielt für Schulseelsorge an Schulen und die Qualifizierung Schulseelsorge für Religionslehrkräfte geworben, u. a. mit dem Hinweis, dass Schulseelsorge zur Bildung von Demokratiefähigkeit an Schulen beiträgt.

 

Das Projekt:
Aktuell stehen die Menschen in Deutschland vor enormen Herausforderungen, nicht nur im Kontext der Folgen der Corona-Pandemie, der Auswirkungen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine und der Eskalation der Gewalt in Nahost. Teile der Bevölkerung scheinen sich zunehmend in voneinander getrennte ökonomische, kulturelle, soziale, religiöse und politische Milieus zu differenzieren. Gesellschaftliche Diskurse werden zum Teil in voneinander beinahe hermetisch abgegrenzten digitalen Formaten geführt. Damit einher gehen hohe Entfremdungs-, Segregations-, Aggressions- und Gewaltpotentiale, die ein friedliches und demokratisches Zusammenleben bedrohen. Wissenschaftler*innen diagnostizieren zudem einen Verlust von Vertrauen in demokratische Institutionen und Entscheidungsprozesse. Analog zu den Entwicklungen in Politik und Wirtschaft, in der Filmbranche, in den Theatern und Kirchen ist aktuell auch im Hochschul- und Schulkontext eine steigende Unzufriedenheit über nicht mehr zeitgemäße autoritäre, un- bzw. antidemokratische Macht- und Entscheidungsstrukturen wahrzunehmen. Viele Hochschullehrende und Studierende wünschen sich eine wertschätzendere, diversere, inklusivere, partizipativere, demokratischere, gemeinwohlorientierte und nachhaltige Ausrichtung und Gestaltung ihrer Arbeit.

Das Projekt „Demokratiefähigkeit bilden“ nimmt diese Bedürfnisse ernst, bündelt die vorhandenen Erfahrungen, stärkt die wissenschaftliche Basis und erarbeitet praxistaugliche, evidenzbasierte Bildungs- und Entwicklungsangebote dafür.

Mini-Oase, Schulseelsorge-Projekt von Sonja Peters, Lehrerin und SchulseelsorgerinDas Projekt trägt dazu bei, in der Aus- und Weiterbildung von Lehrkräften zu Schulseelsorger*innen Kopf und Herz in ihrem Zusammenwirken zu stärken, damit ihr demokratisches Handeln zu fördern und schließlich zur Bildung von Demokratiefähigkeit in Schulen beizutragen.

Im Grundlagentext wird dargestellt, wie Methoden der Achtsamkeit, Gewaltfreien Kommunikation und Schulseelsorge zur Bildung von Demokratiefähigkeit beitragen können.